Schönheit in den Augen von Bruno, Hubert und Co.

Heute darf ich euch eine neue tolle Serie vorstellen, mein liebstes Ännchen wird von nun an immer wieder ein paar kritische Betrachtungen von Liedern und Songtexten mit euch teilen.

Bei uns kommt es oft zu hitzigen Diskussionen, wie furchtbar eigentlich diese oder jene Texte sind, darum freut es mich besonders, dass Ännchen in ihrem ersten Beitrag gleich zwei Lieder ausgewählt hat, die ich auch ziemlich furchtbar finde. Vor allem das Zweite. Da muss ich regelrecht das Radio ausschalten, sonst würde ich mich zu viel aufregen.

Ein angenehmes Lesevergnügen,
xoxo denocte

Schönheit in den Augen von Bruno, Hubert und Co.

Teil I

Kommt es nur mir so vor, oder wird in letzter Zeit mehr als sonst das Bild der Frau in den verschiedensten Bereichen erörtert?

Wie auch immer, ich hab mich auf jeden Fall entschlossen, meinen Senf dazuzugeben?

Vor einiger Zeit hat mir eine Freundin eine Coverversion des Liedes Just the way you are (Bruno Mars) vorgespielt. Dieses Lied hab ich zum Anlass genommen, meine Musikvorräte einmal etwas Näher in Bezug auf weibliche Schönheit zu durchforsten. Dabei bin ich auf interessante Entdeckungen gestoßen.

Da ich doch einige Lieder gefunden habe, die ich mit euch gerne teilen würde, werden in den nächsten Tagen noch weitere Beiträge dazu folgen.

Den Anfang mache ich heute mit dem oben schon erwähnten Bruno Mars - Just the way you are.

(Video zu Bruno Mars: Warner Music)

Bruno scheint seinen großzügigen Tag zu haben und besingt uns voller Freude:

When I see your face, there’s not a thing that I would change.

Ich muss wohl zuerst noch hinzufügen, dass ich generell kein großer Fan von seinem Musikstil bin und irgendwie mit ihm „selbst“ auch nicht wirklich kann. Das heißt, ich tu mir einfach Schwer, noch etwas Positives an seinen Liedern zu finden und nicht sofort alles zu verurteilen. Das heißt auch, dass ich vielleicht maßlos überreagiere. (Gott sei Dank gibt es aber das tolle Wort „aber“, welches ich einfach in den nächsten Satzanfang einbauen, somit meine Kritik anbringen und dennoch so tun kann, als wäre ich überaus diplomatisch ;) ). Aber mich regt sein Lied Just the way you are trotzdem auf.

Anfangs fand ichs lieb, dass er, wie oben schon angeführt, singt: When I see your face, there’s not a thing that I would change, ’cause you’re amazing, just the way you are. Ist doch prinzipiell nett. Oder doch nicht?

Denn je mehr ich darüber nachdenke und je genauer ich den Text studiere, desto mehr krieg ich eigentlich eine ziemlich große Wut! Wie kommt er dazu, überhaupt anzunehmen, sagen zu dürfen, dass er etwas ändern will? Denn er scheint zu denken, äußern zu können, dass er prinzipiell in der Lage wäre, die Äußerlichkeiten seiner Partnerin zu ändern. Denn ich seh das folgendermaßen: There’s not a thing that I would change. Die Frau im Video hat das Glück, Brunos Erwartungen zu entsprechen, seine Kriterien zu erfüllen, sodass dieser auf sein Privileg verzichtet, an ihr etwas zu ändern. Wie kommt er auf diese Idee? Und wenn Bruno ein anderes Gesicht sieht, nimmt er dann von seiner Fähigkeit, weibliche Gesichter zu transformieren, Gebrauch? Schreibt er eine Liste mit Minuspunkten, die geändert werden sollten!?

Während man dank Brunos Edelmut also genau so bleiben soll, wie man ist, kann sich Milow gar nicht entscheiden, welche Veränderung er besser finden würde. Somit komm ich zu meinem zweiten Musikbeispiel: Milow – You and me (In my pocket).

(Video zu Milow: VEVO)

Ob dick oder klein, ob Meerjungfrau, Vogel oder Stehlampe – hautpsache ein Grund wird gefunden, dass das Mädl nah bei ihm bleibt und dass es only you and me ist. Schauen wir uns mal an, was Milow genau bezwecken will:

I wish you were a little bigger, not just big but really fat, doors you would no longer fit through, in my bed you would have to stay. Ok, klingt bis jetzt einfach nur wie ein richtig mieser, jedoch relativ harmloser Anmachspruch à la „Deine Augenfarbe passt gut zu meiner Bettwäsche“ oder Ähnliches.

Aber wie schaut der nächste Wunsch aus? I often wish that you had feathers.

Aha.

Ein bisserl utopisch. Wird schwierig werden, sich auf die Gache Federn wachsen zu lassen, aber wir wollen doch für unseren Mann nichts unversucht lassen. Schatz, ich will nicht vom Thema ablenken, aber was hast du eigentlich davon, wenn ich Federn hab?!

I'd keep you in a giant cage, all day long I'd sit and watch you.

Achso, du willst mich e nur in einen Käfig setzen und mich den ganzen Tag anstarren. Ich weiß noch nicht, ob mir das so ganz recht ist. Doch die Lösung naht: I’d sing for you and that would be okay. Na dann, Problem beseitigt, unter diesen alles verändernden Umständen kraxle ich gern in den Käfig.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich so ziemlich einer der unentscheidungsfreudigsten und –fähigsten Menschen bin, die es überhaupt gibt ;) Wo gehen wir hin, was essen wir, wo treffen wir uns, was machen wir, welchen Film schau ma uns an,…? Sowas überfordert mich einfach. Aber: jetzt werd ich aufgebaut. Anscheinend hat Milow noch mehr Schwierigkeiten, sich zu entscheiden:

Es wär irgendwie doch nett, wenn wir keine Vögel wären, sondern mini klein. So könnte man uns doch einfach wie eine Puppe in die Brusttasche setzen, unser Wille würde zur Abwechslung wieder einmal nicht berücksichtigt werden, wir könnten nicht weglaufen und wären bei dir!

 

Also ehrlich gesagt, find ich das Ganze schon ziemlich gruselig.

Ich hab das Lied aus dem Radio gekannt, aber nie wirklich auf den Text gehört. Und jetzt frag ich mich, was ich ärger finde:

die Arroganz, ein Lied zu veröffentlichen, das einzig und allein darauf basiert, dass die Frau wie ein simpler Besitz behandelt und so verändert wird, dass sie auf irgendeine Art und Weise bei ihm bleiben muss,

oder die Tatsache, dass anscheinend doch relativ viele Hörer dieses Liedes es als romantisches Liebeslied empfinden und die Texte als süß. Als ich mich allerdings etwas auf you tube umgesehen habe, fand ich durchaus auch zahlreiche Kommentare, welche den Text als „psycho, freaky, creepy“ verurteilen und nicht verstehen, wieso genau diese Lied, in dem es lediglich darum geht, das Mädchen dank kuriosester Umstände an ihn zu binden, ein Liebeslied darstellen soll…

I wish you were a little slower, not just slow but paralyzed, then I could plug you into a socket, so you could never run away.

Eins muss ich jedoch noch anmerken: die Machart des Videos find ich wenigstens originell.

Mein Fazit: Wie wirs machen, scheints falsch zu sein.

 

Deshalb wechseln wir zum Abschluss doch mal die Seite und schauen auf eine weibliche Interpretin. Uns wird weder gesagt, dass wir uns auf gar keinen Fall ändern sollen, noch, dass wir bitte genau das tun sollen. Uns wird nichts davon vorgeschrieben. Und dennoch hat Christina Aguilera einiges zu sagen. Wir dürfen uns vier Minuten zurücklehnen und zuhören, dass wir schön sind. Ohne Bedingungen. 

Christina Aguilera – Beautiful

Während ich mich für heute mit englischsprachigen Interpreten auseinander gesetzt habe, wird’s im nächsten Beitrag ein bisserl internationaler: einer meiner Lieblingschansonniers und ein österreichisches Alpenpunk Urgestein dürfen sich auf französisch bzw. auf oberösterreichischem Dialekt zu Wort melden.

Euer Ännchen