Interview: ParaNoire Design

Ihr wolltet schon immer wissen, wie eine Designerin Unterwäsche erschafft?
Dann darf ich euch stolz eine neue Serie vorstellen: Die wunderbare Designerin ParaNoire hat gerade angefangen, auch Unterwäsche zu nähen (YEAH!!) und wird ihre Erfahrungen mit uns auf Kurvendiskussionen teilen.
Wenn ihr ParaNoire Design nicht sowieso schon kennt, schaut einfach mal auf ihrer Facebook Seite oder Webseite!

Im ersten Beitrag möchte ich euch diesen kreativen Wirbelwind ein bisschen vorstellen, danach werde ich ihr das Feld überlassen und sie wird euch auf dem Laufenden halten, was bei der ParaNoire Abteilung für "drunter" passiert!

Cape Anouschka
Cape Anouschka by ParaNoire Design

Denocte:
Eva, du nähst, bastelst und bist seit rund 5 Jahren ParaNoire Design. Was hat dich damals dazu bewogen, auch für andere im Auftrag zu nähen?

Eva:
Im Grunde bin ich überhaupt erst durch Anfragen anderer Leute darauf gebracht worden, zu nähen und später auch, meine Sachen zu verkaufen. Noch später hatte ich dann kurzzeitig auch mal versucht Modedesign zu studieren, aber das war irgendwie doch nichts für mich. Ich fühle mich besser, wenn ich viele verschiedene Dinge machen kann, statt eine feste Karriere für den Rest meines Lebens zu wählen, und so studiere ich jetzt mein Traumfach Statistik (lacht nicht!) und arbeite als Ausgleich an ständig neuen Ideen für ParaNoire Design. (Für alle, die Statistik komisch finden: Modedesign und Schnittmuster machen und Konfektionsgrößen ausmetern ist im Grunde nichts anderes als angewandte Mthematik und Statistik!)

Denocte:
Du bietest deine Sachen in vielen verschiedenen Größen an. Nähst du eigentlich immer ein Probeteil für dich selber?

Eva:
Das mache ich nicht immer, sondern nur, wenn das Design in meine eigene Garderobe passen würde (im Alltag lege ich eher Wert auf praktische, bequeme und funktionale Kleidung und hätte wenig Gelegenheit, all die eleganten Designs von ParaNoire Design auch angemessen auszuführen) aber lustigerweise habe ich bei den Stücken aus der ganz frisch erschaffenen Lingerie-Kollektion schon mehrere Prototypen auch für mich selbst gemacht. Unterwäsche geht eben immer :D

Urban Pirate Vest
Urban Pirate Vest by ParaNoire Design

Außerdem war ich nun seit JAHREN mit der Design- und Größenauswahl der üblichen Unterwäscheabteilungen unzufrieden, immer zwickte und zwackte es irgendwo, meine Größe durfte ich zwischen den zum Teil beschämend unattraktiven Modellen aus der Übergrößen-Abteilung suchen und schlicht und ergreifend bin ich für die Schnitte der Standardkonfektion einfach einen halben Kopf zu hoch und alle Kleidungsstücke hängen entweder zu tief oder sind nicht lang genug. Eigenes Leid ist eben immer noch der beste Motivator (und mit diesen Problemen KANN ich ja auch nicht alleine sein, daher kaum auch die Idee zu meinem neuen Größensystem, über das ich gern später einmal noch etwas mehr erzähle).

Noch ein Punkt zu Probeteile für die eigene Person: Schnitte auf sich allein gestellt wirklich gut an den eigenen Körper anzupassen, ist besonders bei komplizierteren Kleidungsstücken schier unmöglich (ich nähe deswegen sehr selten für mich selbst) und zudem bin ich eher nicht dem Bevölkerungsdurchschnitt zuzuordnen, was Körpergröße und -fülle angeht und aus diesen genannten Gründen bevorzuge ich, meine Schnitte an einer Person anzupassen, die mehr dem Durchschnitt entspricht. Meine Sachen sollen ja — wenn sie nicht sowieso maßgeschneidert sind — möglichst vielen möglichst gut passen.

Für die Lingerie-Kollektion habe ich meine Prototypen-Testung ja sogar an meine Fangemeinde ausgelagert (mehr Messpunkte, sagt der Statistiker!), was auch super funktioniert hat, da ich auf diese Weise viele verschiedene Körpertypen und Größen bekleiden konnte und gleichzeitig die mutigen Freiwilligen mit einem — wenn auch noch nicht in allen Details endgültig perfekten — ParaNoire-Produkt zu einem unschlagbaren Preis beglücken konnte.

Peek a Boo
Peek a Boo by ParaNoire Design

Denocte:
Wie groß ist eigentlich dein Stoffvorrat?

Eva:
So groß ist der eigentlich gar nicht, da ich versuche, in meinem Leben immer möglichst wenig Dinge anzuhäufen, die "echten"" Platz wegnehmen und die meisten Kleidungsstücke sowieso auf Bestellung angefertigt werden. Mein Vorrat — verteilt auf etwa 2 halbe BILLY-Regale, einen Seesack mit Probestoffen und ein paar kleinere Kartons mit Resten — besteht aus ein paar größeren Coupons Standardstoff-Schnäppchen, an denen ich nicht vorbeigehen konnte und die häufig gebraucht werden, sowie einigen Schätzchen, die ich einfach irgendwo mitnehmen MUSSTE, weil sie so hübsch waren. Ich versuche aber, die tatsächlich vorrätigen Stoffmengen so klein wie möglich zu halten, da es auch nicht wirklich sinnvoll ist, Unmengen Geld in Form von Stoffen festzusetzen, ohne den auch zu verarbeiten. Zudem ist meine Wohnung gleichzeitig mein Atelier und ich muss ja neben Stoffen auch den Rest meines Lebens dort unterbringen :) Daher miste ich regelmäßig aus und gebe einige meiner Stoffe an Freunde oder Fans weiter.

Urban Pirate Bloomers
Urban Pirate Bloomers by ParaNoire Design

Denocte:
Ich kann mich da dunkel an endlose Schubladen erinnern... Wie viele Knöpfe besitzt du?

Eva:
Oh, eine gute Frage. Als letzten Wert habe ich 35 Kilogramm (in einem Bettkasten und einer selbstgebauten Knopfkommode) im Kopf, aber ich habe mich lange nicht mehr intensiv mit meiner Sammlung beschäftigt (nur, wenn ich mal ein paar Knöpfe für ein bestimmtes Projekt brauchte). Ich sollte da mal wieder ein bisschen Ordnung und Übersicht schaffen ;)

Denocte:
Wie willst du Upcycling in deine Wäschekollektionen einbauen?

Eva:
Es ist natürlich immer ein bisschen eine Gratwanderung, "gebrauchte", "fremde" Kleidung für so etwas intimes wie Unterwäsche wiederzuverwenden, aber im Grunde ist das mehr eine psychologische Hemmschwelle. Faktisch gesehen kenne ich kaum etwas an Altlasten, das nicht durch eine professionelle Reinigung aus Second-Hand-Kleidung entfernt werden könnte. Und Sachen, bei denen selbst das nicht hilft würde ich natürlich in keinem Fall für meine Kunden oder auch mich selbst verwenden.

Nun da das gesagt ist, gibt es in Sachen Unterwäsche natürlich viel Bedarf für stretchige Stoffe wie Strickwaren, Jersey, Spitze, Netztüll usw. Man kann aus solchen Stoffen Spitzeneinsätze und Applikationen machen, oder die Schnitte patchwork-artig aus verschiedenen Stoffen zusammensetzen, die Fütterung von Panties ist auch meist aus Jersey und wenn der Stoff noch in einem guten Zustand ist, spricht aus nichts dagegen, dafür einfach ein altes Shirt zu zerschneiden. Wem fremde Kleidung etwas zuviel des Guten ist, für den wäre zum Beispiel auch eine Möglichkeit, ein eigenes Shirt (z.B. von einem Konzert, mit Aufdruck) zu mir zu schicken und ich mache daraus ein tolles custom Panty mit dem Aufdruck an prominenter Stelle. Oder einen Hüfthalter. Oder ein Top. Die Möglichkeiten sind ja unbegrenzt.

Nyan Panty
Nyan Panty by ParaNoire Design