Designer of the Month: Lost in Wonderland (Berlin)

Heute darf ich euch "Lost in Wonderland" näher bringen - ein kleines feines veganes Luxuswäschelabel aus Berlin!

Die erste Kollektion von Lost in Wonderland wird ab Dezember Online erhältlich sein über www.lostinwonderland.de
Ihr könnt immer auf dem Laufenden bleiben indem ihr die Facebookseite stalkt: http://www.facebook.com/wonderland.berlin wo auch aktuelle Neuigkeiten, Fotos und Artikel gepostet werden.

Lost in Wonderland
Lost in Wonderland by Lost in Wonderland

Wie hast du deine Liebe zur Lingerie gefunden?

Als ich mir meine ersten BHs gekauft habe, war ich nur mäßig begeistert.

Mit 16 habe ich dann die Wäscheabteilung des La Fayette entdeckt und gleichzeitig meine Liebe zur Lingerie. Da ich zum Geburtstag einen Gutschein für einen BH geschenkt bekommen hatte, fiel meine Wahl fiel auf ein reduziertes (aber natürlich immer noch teures) Modell von Chantal Thomass. Kurz darauf habe ich angefangen Wäschemarken zu recherchieren, mich durch Dessousgeschäfte gefragt und begonnen für teure Lingerie zu sparen.

Den besagten BH habe ich übrigens immernoch. Auch wenn er mir natürlich nicht mehr und die Elastikbänder auch nicht mehr das sind, was sie mal waren, ich halte ihn in Ehren. Und ganz ehrlich: Von guten BHs kann man viel über hochwertige Verarbeitung lernen.

??Wie funktioniert das eigentlich. Du hast die Idee - und dann? Wie ist der Ablauf, von der Idee zum Design zum Produkt? Welche Hindernisse und Hürden stehen da bereit?

Der Ablauf ist definitiv anders, als ich es im Studium gelernt habe.

Vorneweg muss ich dazu sagen, dass ich ein sehr spontaner und intuitiver Mensch bin.
Bei mir beginnt es gar nicht wirklich mit ‚der Idee’.
Meine Stoffe suche ich in Paris, auf einer Messe speziell für Dessousstoffe zusammen. Natürlich weiß ich vage, in welche Richtung es gehen soll, aber das war es auch schon.
Ich habe ein vergleichsweise klitzekleines Unternehmen und das ist häufig schon die erste Herausforderung. Meist hat man recht hohe Mindestabnahmemengen oder einen Mindermengenzuschlag. Ganz abgesehen davon, dass es viele Stoffe nur in den aktuellen Farben gibt und man für alles andere Färbepauschalen zahlen muss.
Generell klingen 250m oder 300m in der Industrie gar nicht mal nach so viel, aber wenn man sich vor Augen führt, wie wenig Stoff in einem BH steckt, ist es plötzlich doch eine sehr große Stoffmenge.

Zurück im Atelier in Berlin sichte ich dann alle Stoffmuster und erstelle eine Art Übersicht welche Stoffe und Schleifchen es nun wirklich in die Kollektion geschafft haben.
Von denen lasse ich mir dann rund 2 Meter zusenden, aus denen später meine Prototypen entstehen.
Dann geht es ans Design, Schnitte erstellen und Muster fertigen. Das dauert von allem am längsten. Wenn eine Serie fertig ist, habe ich häufig schon die Distanz zu den Modellen verloren und würde sie am liebsten aus der Kollektion streichen. Aber wenn sie dann mal 14 Tage in einer Box ruhen und ich mich mit etwas anderem beschäftige, ist alles wieder in Ordnung.

Noch ein Beispiel, was einem als kleiner Designer passieren kann: Für die Herbst/Winter (A/W ’13)- Kollektion, an der ich grade arbeite, habe ich einen wundervollen Soff mit einem leicht barocken Blumenprint gefunden und mir auch schon Mustermengen in zwei Farbstellungen zusenden lassen. Nun habe ich noch 2m mehr benötigt, weil ich aus dem Material noch einen kurzen Morgenmantel anbieten wollte. Letzte Woche bekam ich dann eine Email, dass sich eine andere Firma für eben dieses Design weltweit die Exklusivrechte gekauft hat.

Klasse. Mir fehlen jetzt zwei Stoffe. Mal schauen, wie ich sie ersetze. Das ist schon ziemlich frustrierend.

love lace black
love lace black by Lost in Wonderland

Vor allem: In welchem zeitlichen Rahmen bewegt man sich da? Wie lange hat es gedauert, von der Idee zum ersten BH im Shop???

Der Zeitrahmen lässt sich recht genau sagen. Die Dessousmesse in Paris findet im Januar und im Juli statt. Im Januar stellst du deine Kollektion für Herbst/Winter des aktuellen Jahres, im Juli für Frühjahr/sommer des Folgejahres vor.

Das heißt, man hat schonmal grundsätzlich ein halbes Jahr Differenz.
Ich werde Mitte September oder Anfang Oktober mit dem Sampling für die nächste Kollektion beginnen, da ich mich jetzt erstmal darum kümmern muss, dass die im Frühjahr kommende Ware produziert wird.
Nehmen wir also mal an, dass im Juli die Kollektionen in den Boutiquen wecheln, ich die ersten Teile der Lost in Wonderland A/W13 Kollektion ende Juli ausliefere und ich diese Dessous im Oktober entworfen habe... Dann sind das neun bis zehn Monate.

pink hibiscus slipdress
pink hibiscus slipdress by Lost in Wonderland

Als Hobby-Schneiderin habe ich mich auch schon an BHs versucht, mit mäßigem Erfolg. Die ersten 5 Modelle konnte ich glaube ich alle sofort wieder zerlegen. Mittlerweile fehlt es mir leider an der Zeit, weiter an der Passform zu feilen. Diese BHs haben mir auch gut gepasst, anderen "Größenzwillingen" jedoch gar nicht.? Wie konstruiert man denn einen Schnitt, der möglichst vielen Frauen passt? ?

Ich habe mittlerweile fünf Schnittsysteme für BHs gesehen und so richtig perfekt finde ich keines davon. Die Brust ist halt ein sehr komplexes Thema. – Und birgt deswegen für mich als leidenschaftlichen Schnitttechniker einen gewissen Reiz. Und nein, ich beherrsche nicht alle fünf, weil 2 davon auch primär auf die klassische 75B ausgelegt sind.

Ich arbeite mit einer Mischung aus der Konstruktion, die ich im Studium gelernt habe und einer Weiteren, kombiniert mit Erfahrungswerten. Fittings, also Anproben, sind natürlich unverzichtbar. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an all meine Freundinnen, die bereitwillig als Fittingmodelle zur Verfügung stehen. ;) Klingt ein bisschen wirr und kompliziert, ist es auch, funktioniert für mich aber am besten.

Irgendwann hat man natürlich einen Basissatz an guten Schnitten parat, allerdings ist dies meine erste umfangreich erscheinende Kollektion in diversen Größen, da muss ich alles neu machen.

soft pink hibiscus bra
soft pink hibiscus bra by Lost in Wonderland

In welchem Größenspektrum darf man sich auf Lost in Wonderland freuen???

Erstmal nur in den Standardgrößen. Also nicht über D.

Ich plane, mit Lost in Wonderland auch große Cups anzubieten, jedoch haben diese andre Ansprüche und damit die BHs dann auch wirklich gut sitzen, lasse ich mir lieber Zeit.

Wie schwierig ist es, Luxus Wäsche vegan herzustellen? Du wirst wahrscheinlich keine Seide verwenden, welche Stoffe stehen dir da zur Verfügung, worauf möchtest du komplett verzichten?

Ich sehe weniger ein Problem darin Luxuswäsche ohne Seide herzustellen, als das Problem, dass von den meisten Frauen Seidenwäsche mit Luxus assoziiert wird.

Seide ist ein sehr schönes Material mit einer sehr angenehmen Haptik, kein Frage. Allerdings ist Seide aus meiner Sicht kein ideales Wäschematerial. Um nur Stichworte zu nennen: Elastizität, Herstellung (Seidenspinner), Langliebigkeit.

Das Lost in Wonderland- Konzept beruht darauf, dass die Dessous auch alltagstauglich sind. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ein reiner Spitzen-BH einer großen und somit schweren Brust nicht dauerhaft perfekten halt bietet, deswegen gibt es auch nur ein solches Modell in der Kollektion. Und wenn man ihn zwischendurch vorsichtig wäscht, erholt sich Material auch wieder.

Ich persönlich mag als Wäschematerial gerne feine Gemische aus Polyamid und Elasthan. Die sind leider nicht wesentlich preiswerter als Seide, wenn man eine gute und leichte Stoffqualität voraussetzt, auch wenn dieses Vorurteil synthetischen Materialein anhaftet.

Deine Spitze wird laut Webseite in Europa hergestellt, kannst du etwas mehr dazu erzählen?

Ich bin schon immer ein Liebhaber feiner Spitzen, mitunter auch wegen den wundervollen Bogenkanten mit den kleinen Fädchen.

Die Spitzen für die Lost in Wonderland- Dessous kommen aus Italien und Frankreich.

Die französische Firma, bei der wir die Spitzen beziehen, stellt die feinen Spitzen traditionell auf bis zu 200 Jahre alten Rahmen her, die man heute kaum noch findet. Die Herstellung dauert im Verhältnis sehr lange und ist sehr teuer. – Dafür ist die Spitze allerdings auch so fein, dass sie einfach nur umwerfend schön ist. Die Spitze an dem McQueen Hochzeitkleid von Kate Middleton war übrigens auch von dem besagten, französischen Produzenten.

Generell beziehen wir alle Stoffe, Zubehörteil und alles, was wir irgendwie verwenden, ausschließlich aus Europa, einiges auch aus Deutschland.

love lace black
love lace black by Lost in Wonderland

Warum hast du dich für die Herstellung in Europa entschieden?

„Stop shopping, start buying quality!“, ist ein wundervoll zutreffender Spruch, den eine Freundin von mir – ebenfalls Designerin – mal auf Facebook gepostet hat. Wenn man beispielsweise in China oder Indien produziert, ist das zwar wesentlich preiswerter und Qualitativ nicht zwangläufig schlechter, jedoch muss man sich vor Augen führen, auf wessen kosten wir Konsumenten der westlichen Welt konsumieren:

Die Industrie belastet die Umwelt stark und die Arbeiter arbeiten häufig unter sehr schlechten Bedingungen. Ich als Designer bekäme meine Ware preiswerter, könnte sie preiswerter an den Endverbraucher verkaufen und würde dabei eventuell sogar mehr Gewinn machen. Das empfinde ich allerdings als moralisch verwerflich, besonders wenn ich Luxusgüter anbieten möchte. Die Logistik ist innerhalb Europas natürlich auch einfacher und die Sprachbarriere sowie die kulturelle Hürden sind bei Weitem nicht so groß.

Die Lost in Wonderland- Dessous werden in Polen produziert. Auch wenn Polen innerhalb der EU nicht das preiswerteste Land für Dessousproduktionen ist, habe ich mich trotz anderer Angebote bewusst dafür entschieden. Wir können problemlos in Berlin ins Auto steigen und sind in wenigen Stunden bei unserer Näherei. Ich sehe unter welchen Bedingungen die Näherinnen arbeiten und kann mit ihnen (und meiner Dolmetscherin) über Produktionsabläufe und Probleme sprechen. Zudem habe ich in meiner Zeit als Freelancer bereits Erfahrung mit polnischen Nähereien gesammelt und diese als sehr positiv Empfunden. Die Menschen sind sehr nett, ich kann ihnen vertrauen und ich habe eigentlich immer Spaß Polen.

Zu guter Letzt mag ich – auch wenn Europa sich grade in einer Krise befindet - den europäischen Gedanken und möchte ihn fördern. :)